Über uns
Im historischen Flakleitstand Grebswarden betreiben wir ein militärhistorisches Museum mit dem Schwerpunkt deutsche Militärgeschichte und Zweiter Weltkrieg. Auf über 500 m² Ausstellungsfläche – verteilt auf 13 Räume und mehrere Flure – zeigen wir eine umfangreiche Sammlung militärhistorischer und zeitgeschichtlicher Exponate aus den Jahren 1870 bis 1989. Der original erhaltene Marine-Flakleitstand aus den Jahren 1941/42 bildet dabei das authentische Zentrum der Ausstellung und ist ein seltenes Relikt des Luftkriegs an der Wesermündung, da viele baugleiche Flakleitstände der Region nach dem Krieg von den Alliierten gesprengt wurden.
Anhand von Originalexponaten und begleitenden Dokumentationen vermitteln wir die Entwicklung der Flugabwehr (Flak) sowie die historischen Hintergründe des Bombenkriegs im Zweiten Weltkrieg. Zu den tausenden Ausstellungsstücken zählen über 200 Uniformfigurinen, historische Handwaffen, Ausrüstungsgegenstände, technische Geräte, persönliche Objekte sowie zahlreiche Dokumente und zeitgeschichtliche Zeugnisse aus mehr als einem Jahrhundert deutscher Militär- und Sozialgeschichte. Die Sammlung wird kontinuierlich erweitert und ergänzt.
Ein besonderes Element des Museums ist die Turmplattform in 26 Metern Höhe. Von dort eröffnet sich ein weiter Blick über Butjadingen, Nordenham, die Skyline von Bremerhaven sowie auf die Festungsinseln Langlütjen 1 und 2 in der Wesermündung.
Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht die sachliche Vermittlung von Geschichte am historischen Standort. Das Museum bietet einen direkten und unverfälschten Einblick in militärische Entwicklungen, technische Abläufe und ihre Auswirkungen auf das Leben der Menschen – verständlich, nachvollziehbar und eingebettet in den regionalen Kontext.
Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 rückte die deutsche Nordseeküste schnell in den Fokus der Luftkriegsplanung. Die Häfen und Marineanlagen in Wilhelmshaven, Bremerhaven und an der Wesermündung galten als strategisch wichtige Ziele. Während die alliierten Luftstreitkräfte zu Beginn überwiegend Aufklärungs- und Flugblattmissionen über Norddeutschland flogen, kam es im weiteren Kriegsverlauf zu zunehmenden Bombenangriffen auf die Region. Dadurch entstand die Notwendigkeit, die Küstenbereiche durch einen eng vernetzten Flakgürtel zu sichern.
Der heutige Museumsbau wurde 1941/42 als Marine-Flakleitstand der Marine-Flak-Abteilung 264 errichtet. Von diesem Turm aus wurden mehrere schwere und
leichte Flakbatterien sowie Flakscheinwerfer- und Hörgerätebatterien der Wesermündung geführt, darunter Stellungen in Grebswarden, Langlütjen I, Ellwürden, Lune, Stotel usw.
Der Leitstand war Teil eines größeren Verteidigungsraums, der die Häfen, Werften, U-Boot-Anlagen, industriellen Einrichtungen und Flugplätze an der Wesermündung schützen sollte.
Die Wesermündung entwickelte sich zu einer zentralen Einflugschneise der alliierten Bomberverbände. Viele Angriffe der Royal Air Force verliefen über die Nordsee, entlang der Küste,
direkt in Richtung der Häfen und Industrieanlagen der Region.
Frühwarnmeldungen erfolgten über:
- Radarstationen in den besetzten Niederlanden und Belgien
- Luftwaffen-Radarstellungen an der deutschen Nordseeküste
- Horchgeräte, Beobachtungsposten und optische Messgeräte
Die Region war besonders gefährdet, da sich hier:
- kriegswichtige Hafenanlagen
- Werften und Schiffbau
- Flugzeug- und Metallindustrie
- Marineeinrichtungen
Der Flakleitstand war dabei eine mehrstöckige Befehls- und Meldezentrale. Im Inneren liefen alle Informationen zusammen:
- Meldungen von Radar, Horchgeräten und optischen Beobachtern
- Eintragung der Flugbewegungen auf den Kartentisch
- Berechnung der Flugrouten mithilfe eines Zeitlineals
- Ableitung von Feuerbefehlen für die angeschlossenen Batterien
- Weitergabe der Befehle per Telefon
Der Turm zählt damit zu den wenigen erhaltenen technischen Bauwerken, die die Arbeitsweise der Luftverteidigung an der Wesermündung nachvollziehbar machen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der ehemalige Flakleitstand in Grebswarden zunächst für unterschiedliche zivile Zwecke genutzt. Für eine gewisse Zeit diente das Gebäude als Notunterkunft für Flüchtlinge und Vertriebene. Später übernahm das Technische Hilfswerk (THW) den Turm und nutzte ihn für seine Aufgaben. Trotz dieser Nachkriegsnutzungen blieb die Struktur weitgehend erhalten und zeigt bis heute viele originale Elemente.
Anfang der 2000er Jahre entstand die Idee, in dem historischen Turm ein Museum einzurichten.
Drei private militärhistorische Sammler suchten einen geeigneten Ort, um ihre umfangreichen Sammlungen von Uniformen, Dokumenten, Ausrüstungsgegenständen und Zeitzeugnissen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Der Flakleitstand bot dafür ausreichend Platz und einen authentischen historischen Rahmen, der direkt mit der Luftkriegsgeschichte der Wesermündung verbunden ist.
Im Jahr 2004 wurde das Museum nach Renovierungs- und Instandsetzungsarbeiten offiziell eröffnet. Zwei der ursprünglichen Gründer betreiben es bis heute.
Die Sammlung ist seit der Eröffnung stetig gewachsen und umfasst inzwischen zahlreiche Themen aus der Zeit von 1870 bis 1989, darunter:
- deutsche Militärgeschichte vom Kaiserreich bis zum Kalten Krieg
- den Luftkrieg und die Rolle der Küstenverteidigung
- die Entwicklung der Flak- und Luftabwehrsysteme
- Sonderausstellungen zu Kriegsende 1945, Alltag im „Dritten Reich“, Minensuchverbänden und regionalen Aspekten der Kriegs- und Nachkriegszeit
- Zeitzeugenberichte und regionale Erinnerungen
Heute verbindet das Museum die originale Kriegsstruktur des Turms mit einer umfassenden Ausstellung, die militärische, technische und gesellschaftliche Entwicklungen klar und nachvollziehbar darstellt. Die authentische Atmosphäre des Gebäudes ermöglicht einen direkten Einblick in die Geschichte der Region während des Krieges und der Nachkriegszeit.

